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Seit 35 Jahren gibt der Verlag Murken-Altrogge wissenschaftliche
Studienreihen zur Geschichte des Krankenhauswesens und zur Medizin,
Kunst und Literaturgeschichte heraus. Aufgabe und Ziel dieser
interdisziplinär angelegten Reihen soll es sein, einzelne Aspekte
der historischen Entstehung der Medizin-, Sozial- und Kulturgeschichte
zu untersuchen und anschaulich darzustellen. Der Verlag wurde in
Münster in Westfalen 1976 gegründet, um Bücher
herauszugeben, die bisher wenig beachtete Bereiche der
Wissenschaftsgeschichte mit ihren interdisziplinären
Verflechtungen wissenschaftlich vorstellen. Der Schwerpunkt des
Buchprogrammes liegt auf der Kunst- und Medizingeschichte, was sich aus
der Biographie der beiden Gründer, der Kunsthistorikerin Christa
Murken-Altrogge und dem Arzt und Kunsthistoriker Axel Hinrich Murken,
ergab. Seit der Gründung des Verlages und seiner Übersiedlung
nach Herzogenrath im Jahr 1981 sind im Durchschnitt vier Bücher
jährlich erschienen.
 Die Reihe „Studien
zur Geschichte
des Krankenhauswesens“ widmet sich der wissenschaftlichen Erforschung
der historischen Krankenhausentwicklung von ihren ersten
Ursprüngen, so unter anderem dem frühmittelalterlichen
Hospital, der Geschichte der klinischen Medizin und der
öffentlichen Gesundheitsfürsorge. Die Darstellung der
verschiedenen Aspekte der Geschichte des Krankenhauswesens umfasst im
Programm des Buchverlages nicht nur einen wesentlichen Bereich der
Medizingeschichte, sondern erhält auch ihre Verknüpfung mit
der allgemeinen Kultur- und Sozialgeschichte.
Angesichts der Tatsache, dass fast jeder Erdenbürger der
westlichen Welt in einem Krankenhaus das Licht der Welt erblickt und
jeder zweite von uns in einer solchen Anstalt seine letzten Stunden
erlebt, erscheint es sinnvoll und auch notwendig, sich mit dem
Krankenhaus, seinen historischen Vorraussetzungen, seinen
unterschiedlichen Modellen und Konzepten zu befassen. Man kann wohl mit
Recht behaupten, dass ohne diese Kenntnisse die heutige Entwicklung der
hochtechnisierten Krankenhausmedizin vom klinischen Ambulatorium bis
zum Universitätsklinikum kaum zu erklären und zu bewerten
ist. Zugleich befindet sich das Krankenhaus seit einem Jahrzehnt in
einem Wandlungsprozess wie vor zweihundert Jahren. Damals entstand das
Krankenhaus als karitative Wohlfahrtsinstitution für die
stationäre Pflege und Behandlung heilbarer Patienten, heute geht
die Tendenz vom Krankenhaus zum Gesundheitszentrum mit
unterschiedlichen Versorgungen der Bevölkerung: von der
Präventation bis zur Hightech-Medizin.
Die Reihe „Studien zur Medizin-, Kunst- und Literaturgeschichte“
knüpft an die teilweise engen Querverbindungen von Kunst und
Literatur mit der Medizin an. Viel zu wenig ist bisher bekannt, wie
etwa der jeweilige Stand der Medizin im Spiegel der Kunst wiedergegeben
wurde. Von der spätgotischen Tafelmalerei über die
Titelblattillustrationen des 17. Jahrhunderts bis zum
naturwissenschaftlich orientierten Werk von Joseph Beuys (1921-1986)
lässt sich diese enge Verbindung aufzeigen. Das liegt zum einen
seit altersher am Interesse der Künstler für die Heilkunst
und zum anderen an der Nähe zahlreicher Ärzte zur Kunst und
Literatur. Auch zu den vielfachen Reflektion der Heilkunst in den
sogenannten primitiven Kulturen, der naiven Malerei und der Art Brut
sind umfangreiche Untersuchungen erschienen.
Ein weiterer Schwerpunkt dieser Reihe liegt auf der Entwicklung des
medizinischen Kinder- und Jugendbuches. Längst hat der Frankfurter
Arzt Heinrich Hoffmann (1809-1894) mit seinem Struwwelpeter seit Beginn
des 20. Jahrhunderts Nachfolger gefunden, die alle Facetten der
geschichtlichen, der präventiven und kurativen Medizin für
Kinder in Bild und Text darstellen. Eine weitere Studienreihe ist der
historischen Entwicklung der Sozialmedizin und Psychiatrie gewidmet.
In den vergangenen Jahren sind ebenfalls einige Einzelbände zur
Kunst- und Kulturgeschichte erschienen, die sich sowohl mit
Künstlerbiographien wie auch psychosomatischen Themen wie der
Hysterie oder dem Schmerz befassen. So wurde ein weiterer Band
über Joseph Beuys und eine Monographie über den belgischen
hyperrealistischen Maler Roland Delcol herausgegeben. Über das
Phänomen des Schmerzes in Vergangenheit und Gegenwart sind seit
2004 drei Bände in englischer Sprache erschienen. Pain as Man’s
constant companion, from birth to death. Die unterschiedlichen
Heilmethoden zur Linderung von chronischen Schmerzen werden von der
Hightech-Medizin bis zu den alternativen komplementären
Behandlungsformen dargestellt.
 Darstellung
einer Hypnosebehandlung. Holzschnitt nach einem
Gemälde von Richard Falkenberg. Aus: Axel Hinrich Murken: Pain as
man’s companion, from birth to death. Volume 3. Herzogenrath 2006
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